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Meine Klassen aus dem Schuljahr 2008/09

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Mathe-LK  1./2. Semester in 2008/09

Klasse Eb 2008/09 - jetzt ohne mich, schade

 

 

Lesenswert und hörenswert: Bücher von Wolfgang Malischewski

 

 

Königin Luise und der Strickstrumpf

(Broschiert)

  • Taschenbuch: 164 Seiten

  • Verlag: Utz (8. Januar 2009)

  • Sprache: Deutsch

  • ISBN-10: 3831614075

  • ISBN-13: 978-3831614073

Rezension (Dr. Hans-Georg Müller)
Was ist ein Narr? Ein Quatschkopf? Ein Spaßmacher? Ein Comedian? In Zeiten, in denen das Lachen Termine hat (schlimmstenfalls etwa Freitag Abend 22:15 auf einem Privatsender), haben Narren schlechte Zeiten, denn jeder Schenkelklopfer, Zotenreißer und Kalauernde glaubt, sich schon die Narrenkappe aufsetzen zu können, wenn er nur weiß, wie „Helau“ ausgesprochen wird. Dabei ist der wirkliche, der echte Narr etwas ganz anderes. Eine aussterbende Spezies, der es gelingt, seine Umwelt von anderen, neuen Seiten zu betrachten, sodass man beginnt, über das Wohlbekannte zu staunen, manchmal zu lachen, manchmal auch betroffen zu schlucken.
Den echten Narren unterscheidet vom Possenreißer aber nicht nur der Witz und die unbedingte Klugheit, sondern auch und vor allem anderen die heimliche Liebe zu den Opfern seines Spottes, zu all den schwachen Personen und ihren täppischen Menschlichkeiten, die der Narr aufs Korn nimmt, böse oft, entblößend manchmal – aber nie unbarmherzig.
Zweifellos ist Malischewski, der Autor von „Luise und der Strickstrumpf“, ein Narr. Das beweisen nicht nur seine Klugheit und Belesenheit, die sich in den vielen literarischen und kunsthistorischen Anspielungen des Romans unaufdringlich versteckt (keine Angst, man muss nicht alle entdecken, um sie genießen zu können), sondern vor allem die immer wieder aufblitzende Zuneigung zu seinen Helden, die hinter ihren manchmal feinsinnig, manchmal derb dargestellten Schwächen immer dann am sympathischsten sind, wenn sie ihre weltliche Gebrechlichkeit nicht verheimlichen können.
In seinem dritten Buch hat Malischewski erstmals die reine Fiktion des Epos und der Fabel verlassen und historisches Gebiet betreten. Seine Heldin, Königin Luise, Gattin des preußischen Königs Friedrich Wilhelms III, erlebt die große Katastrophe des preußischen Staates unter dem Ansturm der napoleonischen Truppen 1806 bis zum Frieden von Tilsit, der Preußen zum Kleinstaat degradiert. Doch wer ein rührseliges Stück Tränendrüsendramatik erwartet, hat die Rechnung ohne den Narren gemacht. Keine blank polierte Königin der Herzen und kein tragischer Königsheld treten uns da entgegen, sondern so oft allzu menschliche Gestalten, die sich mitunter nichts sehnlicher wünschen, als beim Diner das juckende Dekolletee kratzen, oder bei der Parade hinter dem nächsten Baum verschwinden zu können. Dabei gehört es zu Malischewskis untrüglichem – man möchte sagen: narrensichereren – Geschmack, den Spott nie zum Schlachtfest werden zu lassen, niemals zur gnadenlosen Abrechnung mit dem verlogenen Feudalismus. Nein, unser Narr ist unzweifelhaft verliebt in seine Königin, auch wenn er sich davon die rosa Brille nicht aufzwingen lässt und nicht den Blick dafür verliert, dass der eigentlich Leidtragende beim Kriegsspiel auf der Königsebene das (hunds)gemeine Volk ist. Der preußische König mag sein Land verlieren, aber ihm bleibt doch zumindest des Nachts ein karges Drei-Gänge-Menü, während das preußisch-bäuerliche Kroppzeug mit leerem Magen der fliehenden königlichen Kutsche hinterher starrt.
Also ein Gesellschaftsroman? Ein Sozialdrama? Mitnichten. Aber eine Geschichtssicht, die nicht bereit ist, dort wegzusehen, wo es unansehnlich werden könnte. Malischewskis Liebe macht nicht blind, sondern sehend. Und das liegt daran, dass unser Autor ganz offensichtlich etwas von Liebe versteht. Schon in seinem Tristan-Roman hat er gezeigt, dass er kein hoffnungsloser, wohl aber ein hoffnungsvoller Romantiker ist. „Lieben wir den anderen, weil wir nicht aufgeben, ihn ändern zu wollen? Oder lieben wir erst dann, wenn wir de andern nicht mehr ändern wollen?“ lässt er Luise fragen. Nun, die Frage ist berechtigt und sie trifft die Königin genauso wie ihren Chronisten und Narren.

 

 

Tierliederliches: Gedichte (Taschenbuch)

  • Taschenbuch: 106 Seiten

  • Verlag: Frankfurter Literaturverlag; Auflage: 1 (Oktober 2007)

  • Sprache: Deutsch

  • ISBN-10: 3865488951

  • ISBN-13: 978-3865488954

Rezension

Achtung! Hier muss gleich eine Warnung ausgesprochen werden. Wer meint, dass Gedichte schreibtischernst und vor allem tiefsinnig-unverständlich daherkommen müssen, der sollte erst gar nicht weiter lesen. Wer aber unterhalten werden will, der schlucke getrost den Köder, den ich hier auswerfe.
Schon das Personal, das Wolfgang Malischewski in meist grotesken Situationen auftreten lässt, verspricht Komik: "Pudel Pudor" als Pornostar, "Gonokokkel und Gockelaia Candida" beim Vollzug des Mysteriums der Liebe, "Das aufgeklärte Rebhuhn", das "interkulturelle Konferenzen" veranstalten will, ein "alter Hirsch", der geschnetzelt in der Sauce liegt und über Sprache reflektiert, der "Igel Boris Grotesko" im Dialog mit seiner Frau "Olga Groteska", tugendhafte Täuberiche, die sich über Schweinereien auslassen, ein Wurm, der vor seinen Richtern nicht strammstehen kann, ein Anarchist, der im Casino von Monte Carlo auf Schwarz setzt. Bei der Lektüre dieser Gedichte entschlüpft auch den Trübsinnigsten ein Lächeln und die Lebenslustigen amüsieren sich sowieso.
Der Falkenseer Schriftsteller ist jedoch vielseitig; er kann auch andere Töne anschlagen und z.B. brutal wie Gottfried Benn formulieren ("Tod kam schon mal vorbei als Fleischbeschauer"), melancholisch sein ("Wer stirbt als erster von uns beiden?") oder zu den Freuden der Erotik einladen ("er Komfort, uns auf der bloßen Haut zu tragen", "dir will ich entgegen fließen, will dir ganz verfallen", "finden Sie mich attraktiv und schön, wolln Sie mehr als meine Lippen sehn?"). In vielen Gedichten zeigt Malischewski auch die Lust, sich umweltkrititisch ("FCKW-Prometheus") und politisch ("Erich Mühsam zum Andenken") zu äußern.
Hat man Malischewski einmal gelesen, hofft man: weiter so, kein süßlich verquaster Kitsch, sondern gewitzte und starke Gedichte, liederlich, einfach saugut!
 

 

Tristan und Isolde - wer weiß schon, was Liebe ist (Taschenbuch)

  • Taschenbuch: 124 Seiten

  • Verlag: Frankfurter Literaturverlag; Auflage: 1 (September 2007)

  • Sprache: Deutsch

  • ISBN-10: 3865488943

  • ISBN-13: 978-3865488947

 

Rezension (Dr. Hans-G. Müller)

   Tja, wer weiß schon, was Liebe ist? Wolfgang Malischewski, Jahrgang 1952, hat sich ein Sujet vorgenommen, mit dem man doch eigentlich nur scheitern kann. Eine Neuerzählung eines mittelalterlichen Epos von Liebe und Schicksal. Worauf soll man hoffen? Was muss man fürchten? Wieder mal eine moderne Abrechnung mit einem der Klassiker? Oder ein Geschichtchen, das seine Belanglosigkeit durch gekünstelte Parallelen zur Tristan-Tradition verstecken will? Oder doch eher ein schmalziger Aufguss voller Tränen, in dem sich Liebe noch auf Triebe reimt? Und dann liest man los und es kommt völlig anders.

   Als sich Gottfried von Straßburg um 1200 die verschiedenen Vorlagen des Tristanstoffes vornahm, um der sich bildenden Tradition eine neue, eigene Richtung zu geben, konnte er nicht wissen, wo sein gewagtes und unbedingter Bekenntnis zur Liebe als mythischer Natur- und Schicksalsgewalt einmal enden würde: in Hollywood und seinen tränenfeuchten Romantizismen. Zugegeben: unter Liebe verstand man im Mittelalter noch etwas anderes als heute. Erstaunlicherweise besangen die Troubadoure ihre Gefühle aber bereits mit ganz ähnlichen Worten. Zu Gottfrieds Zeiten war das neu. Heute sind die Worte verbraucht, verkitscht und abgedroschen. Der Superheld, die Traumprinzessin und die ewige Liebe – oh Gott, das ging doch schon bei Wagner nur noch im Prachtgewand der Musik!

   Und was macht Malischewski daraus? Er nimmt sich seine Helden und macht aus ihnen gnadenlos Menschen. Der Aufbau seiner Erzählung entspricht weitgehend der mittelalterlichen Vorlage und doch krempelt der Autor die Geschichte um, sodass hinter dem Samt die Nähte hervortreten. Das beginnt schon in der Vorgeschichte um Tristans Eltern: aus dem edlen Recken Riwalin wird bei Malischewski ein ziemlich prosaischer Möchtegern-Usurpator, dessen Scheitern wenig Heldenhaftes an sich hat. Und auch vor dem Titelhelden scheut der sezierende Geist Malischewskis nicht zurück, sodass viele Taten des jungen Tristan den Glanz des unbefleckten Heldentums schnell hinter sich lassen – wie unangenehm für jeden, der gern rosa Brillen trägt.

   Also doch eine Abrechnung? Im Gegenteil. Bei der Lektüre schleicht sich unweigerlich das Gefühl ein, man selbst habe die Figuren des Epos bisher verkannt und entdecke jetzt erst, was schon immer da war. Auch geht es Malischewski nicht um Entthronung, sondern um Verständnis –zugegebenermaßen in manchmal mitleidloser Ehrlichkeit, nie aber in vulgärer Diffamierungssucht. Wäre das Wort nicht so negativ belegt, könnte man sagen, Malischewski psychologisiere die Geschichte. Und zwar nicht deshalb, weil das einem mittelalterlichen Epos angemessen wäre, sondern weil es uns Heutigen angemessen ist und weil wir uns plötzlich in einer Geschichte wiederentdecken, die uns sonst nur noch mit viel Naivität oder viel literaturhistorischem Wissen offen stünde.

   Die Gewinner der Geschichte sind die Figuren der zweiten und dritten Reihe, die Magd beim Hochzeitsfeste, die Dienerin Brangäne, der hässliche Truchsess Thaddäus und am meisten König Marke, der eingeklemmt zwischen Königspflichten, Ehrgefühl, väterlicher Sanftheit und tiefer schmerzlicher Zuneigung zu Isolde am Ende vielleicht der einzige ist, der weiß, was Liebe ist. Denn das unterscheidet Malischewskis Bearbeitung am meisten von den derzeit modernen Klassikerschlachtfesten: dass er immer wieder den Weg zurückfindet ins Sanfte, Intime, ja Zärtliche. Und das, obwohl er hin und wieder mit Derbheiten nicht kleinlich ist.

   Überhaupt hat Malischewskis Sprache noch einige Worte verdient. Ungekünstelt, aber nicht ohne Kunst, erzählt der Autor mit einem klaren, direkten Duktus, der Frivolitäten so wenig scheut wie Innigkeiten – alles an seinem Platze. Eingestreut in den Text sind gaukelnd reimende Passagen, Lieder, manchmal auch intertextuelle Anspielungen aus Politik und Literatur, die sich aber dank des guten Geschmacks Malischewskis nie aufdrängen, sondern eher den Schalk im Nacken des Autors aufzeigen.

   Den größten Eingriff in den Handlungsverlauf hat Malischewski dem Ende zuteil werden lassen, das hier freilich nicht verraten werden soll. Soviel sei immerhin gesagt: Ob der Autor seine Eingangsfrage „Wer weiß schon, was Liebe ist?“ mit „Ich!“ beantworten würde, bleibt fraglich. Sicher ist aber, dass er von dieser Thematik einiges versteht.

 

 

Guided Tour

 

Damit ist die Tour schon fast beendet, es bleibt nur noch der Eintrag in das Gästebuch, um das ich herzlich bitte, um zu sehen, wer diese Seite besucht. Auch für andere Besucher ist es vielleicht interessant, im Gästebuch Bekannte zu finden... Zur Fortsetzung der Tour bitte klicken.

Start der Tour 1. Station 2. Station 3. Station 4. Station 5. Station 6. Station 7. Station:

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last update: 2009-05-07